Hintergrund

Jägerinnen in Zahlen: Wie weiblich die Jagd in Deutschland geworden ist

Von 1 auf 11 Prozent: Wie viele Frauen in Deutschland jagen, wie jung und oft ledig Jungjägerinnen sind und was sie antreibt – die DJV-Zahlen im Überblick.

Wer sich die Jagd als reine Männerrunde vorstellt, hat ein Bild aus den 1990er-Jahren im Kopf. Damals war nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) nur etwa jede hundertste Person mit Jagdschein eine Frau. Heute ist es mehr als jede zehnte, und in den Vorbereitungskursen sogar mehr als jede vierte. Dieser Überblick fasst zusammen, was die Zahlen über Jägerinnen verraten, und warum das auch für die Partnersuche interessant ist.

11 %aller Jagdscheininhaber sind Frauen, Mitte der 1990er war es rund 1 %.DJV-Erhebung 2022, dpa 2019

28 %der Teilnehmenden in den Jagdkursen sind Frauen, 2011 waren es 20 %.DJV, Jungjägerbefragung 2021

60 %der Jungjägerinnen sind ledig. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 33 Jahren.DJV, Jungjägerbefragung 2021

36 % / 12 %der Frauen bzw. Männer im Jagdkurs nennen den Jagdhund als Grund.DJV-Befragung, dpa 2019

Die Entwicklung: von 1 auf 11 Prozent

Insgesamt hatten im November 2025 467.682 Menschen in Deutschland einen Jagdschein, so viele wie nie zuvor. Ein Jahr davor waren es 460.771. Der Anteil der Frauen ist dabei deutlich schneller gewachsen als die Zahl der Jäger insgesamt.

Frauenanteil unter Jagdscheininhabern

Anteil der Frauen an allen Menschen mit Jagdschein in Deutschland

Mitte der 1990er
1 %
2016
7 %
2022
11 %
Quelle: DJV-Erhebungen 2016 und 2022, DJV nach dpa 2019
Alle Zahlen als Tabelle
JahrFrauenanteil unter JagdscheininhabernQuelle
Mitte der 1990errund 1 ProzentDJV, nach dpa 2019
20167 ProzentDJV-Erhebung
2022rund 11 ProzentDJV-Erhebung

Zwischen 2016 und 2022 ist der Anteil damit um mehr als die Hälfte gestiegen. Setzt man die 11 Prozent ins Verhältnis zur heutigen Gesamtzahl, ergeben sich rechnerisch gut 50.000 Jägerinnen. Das ist eine grobe Schätzung, weil der Frauenanteil zuletzt 2022 erhoben wurde und seitdem eher weiter gewachsen sein dürfte.

Im Jagdkurs ist schon mehr als jede vierte eine Frau

Die aussagekräftigsten Zahlen liefert die Jungjägerbefragung des DJV. Zwischen Oktober 2020 und September 2021 beteiligten sich daran knapp 6.500 Jagdschülerinnen und Jagdschüler, etwa ein Drittel aller Prüflinge in diesem Zeitraum.

  • Frauenanteil in den Kursen: 28 Prozent (2011 waren es 20 Prozent)
  • Durchschnittsalter Jungjägerinnen: 33 Jahre (Jungjäger: 35 Jahre)
  • Herkunft: Frauen wie Männer kommen anteilig häufiger vom Land
Frauenanteil in den Jagdkursen

Anteil der Frauen unter den Jagdschülern

2011
20 %
2021
28 %
Quelle: DJV, Jungjägerbefragung 2021 (knapp 6.500 Jagdschülerinnen und Jagdschüler)

Schon 2019 hatte der DJV aus einer früheren Kursbefragung einen Frauenanteil von 24 Prozent gemeldet. Der Anstieg ist also kein Ausreißer, sondern eine stabile Entwicklung über mehr als ein Jahrzehnt.

Jung, naturverbunden und häufig Single

Für alle, die sich für die Jagd als Ort zum Kennenlernen interessieren, ist eine weitere Zahl aus der Befragung spannend: der Familienstand.

Familienstand im Jagdkurs

Anteil der Jagdschülerinnen und Jagdschüler

JungjägerinnenJungjäger

ledig
60 %52 %
verheiratet
32 %42 %
Quelle: DJV, Jungjägerbefragung 2021 (knapp 6.500 Jagdschülerinnen und Jagdschüler)
Alle Zahlen als Tabelle
JungjägerinnenJungjäger
ledig60 Prozent52 Prozent
verheiratet32 Prozent42 Prozent
Durchschnittsalter33 Jahre35 Jahre

Sechs von zehn Frauen, die den Jagdschein machen, sind ledig. Bei den Männern ist es gut die Hälfte. Das heißt nicht, dass alle auf Partnersuche sind, denn ledig bedeutet nicht automatisch Single. Aber es zeigt, dass die Jagd längst kein Hobby nur für Menschen mit Haus, Familie und eigenem Revier ist.

Was Jägerinnen antreibt

Die Motive für den Jagdschein unterscheiden sich zwischen Frauen und Männern weniger, als viele erwarten. Ganz oben steht bei beiden, gern in der Natur zu sein.

Was Jungjägerinnen und Jungjäger antreibt

Hauptmotive für den Jagdschein, Mehrfachnennung möglich

JungjägerinnenJungjäger

gern in der Natur
73 %78 %
angewandter Naturschutz
62 %62 %
esse gern Wild
42 %45 %
Freude an der Jagd
32 %51 %
Quelle: DJV, Jungjägerbefragung 2021 (knapp 6.500 Jagdschülerinnen und Jagdschüler)
Alle Zahlen als Tabelle
MotivJungjägerinnenJungjäger
gern in der Natur73 Prozent78 Prozent
angewandter Naturschutz62 Prozent62 Prozent
esse gern Wild42 Prozent45 Prozent
Freude an der Jagd32 Prozent51 Prozent

Der größte Unterschied liegt bei der „Freude an der Jagd“, die Männer deutlich häufiger nennen. Beim Naturschutz liegen beide gleichauf, und auch die Freude an Wildbret teilen Frauen und Männer fast im selben Maß.

Gerade dieser Punkt zeigt, wie eng Jagd und Tierliebe für viele Jägerinnen zusammengehören. Wer mit seinem Deutsch Kurzhaar, Kleinen Münsterländer oder Dackel durch die Prüfungen geht, verbringt unzählige Stunden mit Training, Fährtenarbeit und Pflege. Mehr über die Rassen erzählt der Beitrag über Jagdhunde im Magazin von tierisch-verliebt.de.

Wo die meisten Jäger leben

Die Dichte der Jagdscheininhaber ist sehr unterschiedlich. Im Bundesschnitt kommen etwa 5,5 Jäger auf 1.000 Einwohner, in Mecklenburg-Vorpommern sind es rund 10, in Niedersachsen 9 und in Schleswig-Holstein 8. In absoluten Zahlen liegt Nordrhein-Westfalen mit knapp 100.000 Jagdscheininhabern vorn, gefolgt von Bayern mit 83.000 und Niedersachsen mit 70.000.

Wo die meisten Jäger leben

Jagdscheininhaber je 1.000 Einwohner

Mecklenburg-Vorpommern
10
Niedersachsen
9
Schleswig-Holstein
8
Bundesschnitt
5,5
Quelle: DJV, Stand November 2024

Für Singles bedeutet das: Wer in einer ländlichen Region in Norddeutschland lebt, begegnet Jägerinnen und Jägern im Alltag deutlich häufiger als in einer Großstadt. Wer in der Stadt wohnt, findet Gleichgesinnte eher über Kurse, Hundeschulen oder online.

Fazit

Die Jagd verändert sich gerade schneller als in den Jahrzehnten davor. Sie wird weiblicher, etwas jünger und stärker vom Wunsch nach Natur und Naturschutz geprägt. Für Jäger, die eine Partnerin mit ähnlichen Interessen suchen, wird die Auswahl größer. Für Jägerinnen bleibt die Jagd dagegen ein Umfeld, in dem sie häufig in der Minderheit sind und in dem viele Männer ihres Alters schon vergeben sind.

Wie ihr trotzdem zueinanderfindet, erklärt der Beitrag Jäger sucht Frau. Wie der Alltag mit Revierzeit aussieht, zeigt Mein Freund ist Jäger.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Frauenanteil in der Jagd?

Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands waren 2022 rund 11 Prozent der Jagdscheininhaber in Deutschland Frauen. 2016 lag der Anteil noch bei 7 Prozent.

Wie viele Frauen machen den Jagdschein?

In der Jungjägerbefragung 2021 des DJV lag der Frauenanteil in den Vorbereitungskursen bei 28 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es 20 Prozent.

Warum gehen Frauen auf die Jagd?

Das wichtigste Motiv ist bei Jungjägerinnen wie bei Jungjägern, gern in der Natur zu sein (73 Prozent der Frauen). Danach folgen angewandter Naturschutz (62 Prozent) und gern Wild essen (42 Prozent). In einer älteren DJV-Befragung nannten 36 Prozent der Frauen die Arbeit mit dem Jagdhund als Grund, aber nur 12 Prozent der Männer.

Wie alt sind Jungjägerinnen?

Laut Jungjägerbefragung 2021 sind Jungjägerinnen im Schnitt 33 Jahre alt und damit etwas jünger als Jungjäger mit 35 Jahren.

Quellen (5)

Vom Lesen zum Kennenlernen

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